07. April 2020 / LJ / Lesedauer: 4 Min.

Auswirkungen des Corona Virus auf die Industrial IT

Seit rund einem Monat hat das Virus COVID-19 die ganze Welt im Griff. Hashtags wie #stayhome, #flattenthecurve oder #gemeinsamstark dürften mittlerweile allseits bekannt sein und sind schon fast zu einem Motto für diese herausfordernde Zeit herangewachsen. Auch die Politik musste schnell handeln und Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung einleiten. Das öffentliche Leben wurde weitestgehend eingeschränkt, die Menschen änderten ihre alltäglichen Gewohnheiten, Krisenstäbe wurde gegründet und Bürojobs wurden überwiegend ins Home Office verlegt. Natürlich macht sich diese Ausnahmesituation auch in Industriebetrieben bemerkbar, daher haben wir in diesem Beitrag die wichtigsten Aspekte für Industrial IT-Verantwortliche zusammengefasst.

 

Was bedeutet COVID-19 für das Industrial
IT-Management in Unternehmen?

 

Wie in allen Bereichen steigt natürlich auch am Shopfloor das Infektionsrisiko, denn es arbeiten mehrere Personen an den gleichen Anlagen und persönlicher Kontakt lässt sich in vielen Fällen nicht vermeiden. Hygienevorschriften müssen umgesetzt, der Mindestabstand muss eingehalten und Mitarbeiter, welche sich in einem Krisengebiet aufgehalten haben oder Kontakt zu einer infizierten Person hatten, müssen umgehend isoliert werden. Schichten werden neu geplant und in systemrelevanten Betrieben, wie zum Beispiel Stromversorger und Wasserwerke, werden teilweise sogar Isolationsschichten gegründet. All diese Maßnahmen führen früher oder später dazu, dass weniger Personal vor Ort ist.

Da in dieser Pandemie auch wirtschaftliche Einbußen nicht zu vermeiden sind, werden Ausgaben reduziert und es wird in allen Bereichen nach Einsparpotentialen gesucht, um die ausbleibenden Einnahmen so gut es geht abzufedern. In vielen Betrieben werden außerdem zum Schutz der Mitarbeiter oder auch aufgrund ausbleibender Aufträge ganze Produktionshallen stillgelegt, oder auf ein Minimum begrenzt. Überstundenabbau und Kurzarbeit sind daher eher Regel als Seltenheit.

 

Vor welchen Herausforderungen stehen
IT-Verantwortliche aktuell?

 

Neben den alltäglichen Aufgaben, die für die Aufrechterhaltung des Notbetriebs zu erledigen sind, stehen Industrial IT-Manager vor weiteren Herausforderungen.

 

Spear-Phishing Angriffe

Es tauchen bereits erste Meldungen auf, dass auch Hacker diese Notlage für sich nutzen und mit gezielten Spear-Phishing-Attacken mit Bezug zu COVID-19 ihren Einzug in die Firmennetze planen. Diese Angriffe können für Monate unentdeckt bleiben und so zu einer großen Gefahr heranwachsen. Ausfälle in Office-Netzwerken können durch standardisierte Inbetriebnahmeprozesse relativ schnell behoben werden. Doch sind Ihre Prozesse und Mitarbeiter auch für Ausfälle im industriellen Umfeld gewappnet?

Sie können dem entgegenwirken, indem Sie sich mit digitalen Bedrohungsszenarien im Bereich OT auseinandersetzen und neben rein technisch und organisatorischen Maßnahmen verstärkt auch Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen des Personals auf- und ausbauen.

 

Microsoft-Security-Updates

Die aktuelle Situation geht auch an Microsoft nicht spurlos vorüber. So kündigte das Unternehmen an in den nächsten Monaten auf einige Windows-Updates zu verzichten. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn auch Microsoft kann aufgrund von Mitarbeiterausfällen nicht mit vollen Kapazitäten weiterarbeiten und bekommt die Auswirkungen der Pandemie zu spüren. Sicherheitsrelevante Patches werden jedoch weiterhin in gewohnter Frequenz und für alle unterstützten Windows-Versionen bereitgestellt. Das bedeutet, vor allem mit Blick auf die steigenden und immer gezielteren Angriffe, dass IT-Verantwortliche diese Updates auch auf die Endgeräte verteilen und installieren müssen.

 

Weniger Unterstützung von externen Dienstleistern

Budgets werden gekürzt, das Personal wird in Kurzarbeit geschickt oder arbeitet von zu Hause aus und es wird, wie oben bereits genannt, nach Einsparpotentialen gesucht. Das bedeutet wiederum, dass auch der Einsatz von externen Dienstleistern auf den Prüfstand gestellt wird. Dazu müssen unter anderem folgende Fragen geklärt werden:

  • Gibt es Aufgaben, welche nun komplett eigenständig ausgeführt werden, die vorher nur mit Hilfe von externem Personal zu bewältigen waren?
  • Muss man sich dafür noch zusätzliches Wissen aneignen, oder das Personal schulen?
  • Welche Aufgaben können nicht eigenständig erledigt werden und bedürfen weiterhin der Hilfestellung externer Spezialisten?

Natürlich kann es auch vorkommen, dass die Bereitschaft für den Einsatz von externem Personal durchaus noch gegeben ist, dies aber von den Dienstleitungsfirmen aufgrund neuer Vorschriften nicht mehr realisiert werden kann.

Wie Sie sehen müssen Sie sich auch hier auf neue Herangehensweisen einstellen.

 

Maßnahmen für den Wiederanlauf planen

Glücklicherweise zeigen die eingeleiteten Schritte sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern bereits erste Wirkung. Das wiederum bedeutet, dass es sich lohnt bereits jetzt mit den Planungen für den Wiederanlauf zu starten. Listen Sie am besten alle dazu benötigten Aufgaben, Prozesse und Personalkapazitäten auf und stimmen Sie diese in Ihrem Team ab. Je eher die Anlagen wieder in Betrieb genommen werden können, desto schneller kehrt Normalität zurück – in Ihrer Firma, in den Service- und Lieferketten, in unserem Alltag. Vergessen Sie dabei jedoch nicht auch die IT-Systeme ihres Shopfloors auf den Wiederanlauf vorzubereiten.

 

Wie kann man diesen Notstand effektiv bewältigen
und vielleicht sogar sinnvoll nutzen?

 

Getreu dem Motto „In allem Schlechten liegt auch etwas Gutes“ möchten wir Ihnen zum Schluss noch Tipps geben, wie Sie die aktuelle Lage professionell und effektiv bewältigen können. Gleichzeitig erhalten Sie von uns Hilfestellungen, mit welchen Tätigkeiten Sie vielleicht sogar gestärkt aus dieser Situation hervorgehen können.

 

Wie kann man diesen Notstand bewältigen?

1. Versuchen Sie sich zunächst einmal einen Überblick über den aktuellen Hard- und Softwarestand zu verschaffen, denn nur was man kennt, kann man auch managen.

2. Nutzen Sie die freie Zeit, um Wartungsarbeiten an Ihren Anlagen durchzuführen. Das kann zum einen die mechanische Instandhaltung sein, zum anderen aber auch die Wartung der dazugehörigen IT-Geräte und deren Software. Dazu zählen zum Beispiel das Erstellen von Backups, die Überprüfung der Aktualität und gegebenenfalls auch das Verteilen von Updates, sowie der Abgleich der Geräteeinstellung analog zur Unternehmens-Compliance (Firewall, Benutzerkontensteuerung, erlaubte Remoteverbindungen, offenen USB-Ports, installierte Software, …).

3. Planen Sie Ihre Aufgaben möglichst zentral und führen diese auch weitestgehend zentral aus. So können Sie mit dem geringen Personalkapazitäten effektiv weiterarbeiten und die anfallenden Aufgaben bewältigen.

4. Vergessen Sie dabei aber nicht den regelmäßigen Austausch mit Ihren Kollegen, denn es werden sicherlich nicht alle im gewohnten Arbeitsumfeld arbeiten. Hier haben sich Online-Besprechungen zu einem wahren Helfer in dieser Krise herausgestellt.

5. Und zu guter Letzt: Dokumentieren Sie alle Änderungen, welche Sie an den Geräten und Anlagen vornehmen. Viele Einstellungen müssen aktuell nur temporär angepasst werden und bedürfen bei Regelbetrieb einer neuen Konfiguration. Ihre Kollegen und Mitarbeiter werden es Ihnen danken, wenn Sie Ihre Tätigkeiten digital erfassen und dokumentieren.

 

Wie können Sie diese Situation sinnvoll nutzen?

Wenn Sie an die letzten Wochen zurückdenken haben Sie mit Sicherheit viele neue Erkenntnisse erlangt, die Ihnen so noch nicht bekannt waren. Das ist gut! Egal ob positiv oder negativ, schreiben Sie die Learnings dieser Krise nieder. So können Sie Ihre Stärken und Schwächen sammeln und bei Bedarf sofort Korrekturmaßnahmen einleiten. Viele Unternehmen haben für solche Fälle Notfall-Handbücher und Checklisten vorbereitet, in denen das Vorgehen und Ausführen der einzelnen Schritte beschrieben wird. Die aktuelle Situation sollte auch dazu genutzt werden, diese zu verifizieren und ggf. zu aktualisieren. Aber auch klassische Reports eignen sich, um die gewonnenen Kenntnisse zu sammeln. Mit diesen Maßnahmen sind Sie in Zukunft besser auf weitere Situationen dieser Art vorbereitet.

Außerdem rückt das normale Tagesgeschäft weiter in den Hintergrund. Nutzen Sie neu gewonnene Zeit, um Ihre Konzepte zu überarbeiten und zu aktualisieren. Das kann beispielsweise die Planung einer neuen Backup-Strategie sein, oder die Überarbeitung des bisherigen Update-und Patchvorgänge. Hierbei müssen Sie sich auch nicht zwingend am gewohnten Arbeitsplatz befinden.

In unserem letzten Tipp raten wir Ihnen die Automatisierung von Teilaufgaben anzugehen. Das nimmt selbstverständlich etwas Zeit in Anspruch, wird Ihnen aber nach einmaliger Vorbereitung und Einrichtung in Zukunft immer wieder Zeit und Nerven sparen. Jetzt haben Sie die Möglichkeit auch solche Aufgaben anzupacken, welche sonst aufgrund von Meetings, Telefonaten und weiteren Störungen normalerweise hintenangestellt werden. Beachten Sie dabei aber zum einen die Einhaltung der Herstellervorgaben Ihrer Anlagen, zum anderen empfehlen wir Ihnen die Berücksichtigung bestimmter Standards, wie zum Beispiel der IEC-62443.

 

Fazit

Die Corona-Pandemie stellt Firmen rund um die Welt vor eine noch nie dagewesene Situation, auf die sich sowohl das Management als auch die Mitarbeiter neu einstellen müssen. Wichtig dabei ist sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ohne dabei den Blick in die Zukunft zu verlieren. Vor allem am Shopfloor und im Industrial IT Bereich ist es wichtig die „ruhige“ Zeit zu nutzen sich auf das Morgen vorzubereiten, denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Wenn alle ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, wird auch diese Krise zu bewältigen sein.

 

Alle Inhalte haben wir in diesem Video kurz für Sie zusammengefasst:

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